„race trumps gender“ !? – Gabriele Dietze über Obama vs. Clinton

Gestern war Gabriele Dietze, Amerikanistin aus Berlin, bei uns in der Vorlesungsreihe Jenseits der Geschlechtergrenzen mit einem Vortrag zu „Obama vs. Clinton – Verquere Intersektionen von Rassismus und Sexismus“. Sie hat in ihrem Vortrag die – nach allen Intersektionalitätsdebatten überraschende – These aufgestellt, dass Obama und Clinton sich in einer ’sich ausschließenden, bzw. über einschließenden Ausschluss verbundenen Opferkonkurrenz‘ befunden hätten und es insofern nicht verwunderlich sei, dass Obama triumphiert hätte, weil antirassistische Argumente gegenüber antisexistischen empowernde Funktion hätten. Dietze hat historisch weit ausgeholt und im Prinzip die wichtigsten ‚Stationen‘ der Konstitution des Verhältnisses ‚weiße Frau/schwarzer Mann‘ gestreift; umso überraschender war dann wirklich die conclusion, illustriert nicht nur mit Obama, sondern auch mit der Verteidigungsrede von Clarence Thomas, der angesichts eines ’sexual harassment‘-Vorfalls von ‚high-tech lynching‘ sprach, was laut Dietze eine ihn ermächtigende diskursive Veropferung war.
Besonders erstaunt war ich auch von den Worten, die Dietze von der Intersektionalitäts‘königin‘ Kimberle Crenshaw und Eve Ensler (‚The Vagina Monologues‘) zitierte: „While denying any intention to square off racism against sexism, the ‚either/or‘ feminists nonetheless remind us that the Black (man) got the vote before the (white) woman, that gender barriers are more rigid than racial barriers, that sexism is everywhere and racism is not […].“ („Feminist Ultimatums: Not In Our Name“, Februar 2008, online unter: Link

Ist der Mythos des Schwarzen Vergewaltigers gerade in den USA diskreditiert, bzw. nur noch aus der ‚Opfer‘perspektive einsetzbar? das wär ja mal was… – ich kanns mir aber gerade schwer vorstellen.